Christinas Transformationsgeschichte

23.08.21 - von Christina

 

Das ist die Transformationsgeschichte von Christina, Gründerin von Ally Allergens und dem FreeFrom Hero Festival. Christina ernährt sich seit ihrer Zöliakie Diagnose 2013 glutenfrei- Sie hat ein Unternehmen gegründet, das sich mit Allergien und Unverträglichkeiten auseinandersetzt. Seit ihrer Diagnose hat sie sich viel mit dem Thema Ernährung beschäftigt. Mit der Gründung ihres Unternehmens möchte sie Dinge, die sie während ihrer Transformation begleitet haben weitergeben und anderen Betroffenen den Alltag erleichtern. Christina erzählt, was die Diagnose Zöliakie in ihrem Leben ausgelöst hat, wie sie mit den Einschränkungen umging und was daraus entstanden ist.

Was war der Beginn deiner persönlichen Transformation: Wie ist es dazu gekommen?

"Die Ursache lässt sich mit meiner Zöliakie Diagnose recht gut in den September 2013 festlegen. Das war für mich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht greifbar. Ich hatte noch nie etwas von dieser Krankheit gehört und musste erst einmal herausfinden, was dieses Wort überhaupt bedeutet. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es heißen würde, lebenslang auf Gluten zu verzichten. Nicht nur ein bisschen weniger, sondern zu 100% - Nicht einmal ein Krümel. Das war der Grund, weshalb ich mein Leben komplett umkrempeln musste. Es war eine große Unsicherheit. Die Nachricht kam eine Woche vor dem Beginn meines Auslandssemesters in Barcelona."

Wie kam es zu der Diagnose?

"Im Grunde ist das zufällig passiert. Ich hätte niemals vermutet, dass ich ein Problem mit Essen haben könnte. Ich hatte mich nie damit auseinandergesetzt, was gut für den Körper sein könnte oder was schlechter. Ich hatte häufig Probleme nachdem ich Brot oder Nudeln gegessen hatte und hatte plötzlich ständig heftige Magenschmerzen - die Verbindung habe ich aber nie gesehen. Tatsächlich habe ich Menschen früher nicht wirklich ernst genommen, die z.B. auf Gluten und Laktose verzichten. Für mich war es bis zu diesem Punkt nie eine Option gewesen, mich einzuschränken."

Gab es für dich gleich zu Beginn einen Schlüsselmoment?

"Ich glaube es gab nie diesen einen Moment - Es war ein Prozess. Vielleicht ist dieser vergleichbar mit dem Prozess des Trauerns. Als Erstes kommt die Phase, in der man die Situation ignoriert. Da das aber bei einer Zöliakie nicht funktioniert, ist man gezwungen, sich immer wieder mit dem Problem zu beschäftigen, bis man es akzeptieren kann. Auf die ignorierende Phase folgte auch Wut und die Frage, wieso es einen selbst getroffen hat.
Ein Moment gab es aber während meiner Zeit in Barcelona, als ich beschlossen hatte, einfach zu essen, worauf ich Lust hatte. Dafür habe ich direkt die Quittung bekommen. Ich habe mit Freunden eine “normale” Quiche gegessen. Mir ging es mehrere Tage wirklich miserabel. Das war eine Erfahrung, die mir verdeutlicht hat, dass ich nicht einfach weitermachen konnte, wie ich es vorher getan hatte. Ein Moment in dem ich festgestellt habe, dass ich keine Wahl habe. Inzwischen empfinde ich es nur noch selten als wirklichen Verzicht. Ich habe keine Momente, wie man sie vielleicht bei einer Diät kennt und einen “Cheat” Day einlegt. Es ist für mich ganz normal geworden."

Wie hast Du dich gefühlt, als Du verstanden hast, dass Du nicht weiterleben konntest, wie bisher?

"Es war ein ständiges auf und ab. Als ich 2013 das erste Mal Brot aus dem Reformhaus gegessen habe, habe ich mich gefragt: “Ist das jetzt wirklich mein Leben? Das muss ich jetzt mein ganzes Leben so machen?” Ich war wirklich etwas verzweifelt. Man muss auch wissen, dass es damals noch keine große Auswahl an leckeren Produkten gab. Zum anderen habe ich mir bewusst gemacht, dass es nur um Essen geht. Auch wenn es sich bei Zöliakie um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet, ist es eine der wenigen Erkrankungen, die durch das eigene Essverhalten vollständig therapiert werden können.
Ich war im Zwiespalt, weil ich mich nicht beschweren wollte. Auf der anderen Seite, war es eine große Einschränkung, die mich davon abgehalten hat, mein Leben so weiter zu führen, wie die Menschen in meinem Umfeld."

Was hat sich aus dieser Situation entwickelt?

"Ich führe ein selbstbestimmtes Leben. Das lasse ich nicht davon definieren, was ich essen kann oder nicht. Ich empfinde inzwischen sehr große Dankbarkeit für gutes Essen und für Menschen, die sich darum kümmern, dass ich etwas Gutes zu essen bekomme. Ich schätze viele Kleinigkeiten wert. Wenn Freunde mir extra glutenfreie Produkte besorgen und auf mich achten.
Natürlich habe ich mich seitdem sehr viel mit Ernährung beschäftigt. Ich bin offener geworden und habe sehr viele neue Dinge kennengelernt. Ich habe viel Verständnis für alle Ernährungsformen. Aber auch Genuss ist mir sehr wichtig geworden.

Es hat sich aber auch beruflich einiges verändert: Ich war in einer Unternehmensberatung in der Luftfahrtbranche. Auch da habe ich festgestellt, wie schwierig es ist das Essen mit dem Beruf zu vereinen. Ich war häufig unterwegs und bin viel gereist. Das bedeutete, dass ich alles um das Essen herum planen musste und viel vorbereitet und mitgenommen habe - wie zum Beispiel einen zweiten Handkoffer für mein Essen.
Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich den ganzen Aufwand und die Kraft, die ich den Beruf stecke, nicht in etwas sinnvolleres investieren kann. Ich habe viel für etwas gearbeitet, das mich nicht glücklich gemacht hat. Also habe ich 2018 beschlossen, dass ich gerne etwas in einem Bereich gründen möchte, der mich ganzheitlich erfüllt und in dem ich auch anderen mit meiner Arbeit helfen kann."

Du hast sowohl Ally Allergens, als auch das FreeFrom Hero Festival gegründet - Was ist das Ziel?

"Ursprünglich ging es um das Thema auswärts essen gehen mit Unverträglichkeiten. Dafür haben wir eine Zertifizierung für Restaurants entwickelt. Gäste sollen so wissen, wo sie sicher essen gehen können. Durch Corona mussten wir etwas umdenken. Neben dem Bereich Auswärtsessen gibt es noch so viel zu tun für Betroffene. Ein wichtiger Aspekt sind verlässliche Informationen & der Austausch unter Betroffenen. Daraus ist im letzten Jahr das FreeFrom Hero Festival entstanden, bei dem es darum geht, dass Menschen die auf etwas Verzichten auch Helden und Heldinnen sind."

Gab es in dem Prozess Momente, in denen Du entmutigt warst und überlegt hast aufzugeben?

"Sehr viele Momente. Gerade am Anfang war es ein Erkenntnisweg, z.B. in Restaurants - man hat Extrawünsche, fragt im Service mehrfach nach und bekommt dann am Ende vielleicht trotzdem nicht das Richtige. Plötzlich mussten so viele Menschen mit einbezogen werden, um zu helfen. Und auf der anderen Seite gab es auch die Momente, in denen es mir gut ging und ich wieder die Option in Erwägung gezogen habe, dass ich es ja vielleicht doch gar nichts habe. “Es ist ja alles gut”. Ich wollte die Situation nicht wahrhaben.

Aber auch im beruflichen Kontext gab es schwierige Momente: Im März 2020 stand ich mit Ally Allergens auf einer soliden Basis in der Gastronomie. An diesem Punkt wurden alle Pläne durch externe Bedingungen, auf die ich keinerlei Einfluss hatte, über den Haufen geworfen. Nach der Gastronomie-Schließung im letzten Jahr habe ich überlegt aufzuhören. Aber auch daraus ist eine Transformation entstanden. Ich habe der Gastronomie den Rücken gekehrt, indem ich mich noch mehr auf die Gäste bzw. die “FreeFrom Heroes” eingegangen bin und das FreeFromHero Festival gegründet habe."

Was hat dir geholfen, über diese Schwierigkeiten hinweg zu kommen?

"Unterstützung. Allem voran war der familiäre Rückhalt die größte Hilfe. Es hat nie jemand in Frage gestellt, wieso ich das alles mache. Sowohl privat aber auch beruflich. Im Bezug auf die Veränderungen, die ich hinsichtlich meines Ernährung vornehmen musste, gibt es in diesem Bereich eine sehr starke Community. Ich hätte bis zu diesem Zeitpunkt nie gedacht, dass ich mich in Foren mit Fremden darüber austauschen würde, was gegessen werden kann. Aber das hat mir ungemein geholfen. Es hat mir sehr geholfen zu wissen, dass ich mit diesen Herausforderungen nicht alleine bin."

3 Dinge (materiell/Personen/Ideen), die dich bei deiner Transformation unterstützt haben:

  1. "Zusammenhalt - Meine Familie und mein Partner. Wenn ich keine Lust mehr habe, im Restaurant wieder zu fragen, ob ich ein Gericht wirklich essen kann, ist immer jemand eingesprungen. Das hat mir unglaublich viel Rückhalt gegeben."

  2. "Sich selbst und die Situation nicht zu ernst zu nehmen. Ich umgebe mich in schwierigen Momenten mit Menschen, bei denen ich sein kann, wie ich bin. Einmal herzhaft über die Situation lachen und die Sache nicht zu ernst zu nehmen."

  3. "Offenheit und Neugier - Für neue Themen. Sich nicht einzuschließen und Dingen offen gegenüber zu treten."

 

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23.08.21

von Christina


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